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Parentalia – Matthias Korn zum Gedenken

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Dr. Matthias Korn ist am 28. Februar 2026 im Alter von 68 Jahren im engsten Kreise seiner beiden Töchter und seines Bruders in Dresden von uns gegangen. Ihm in wenigen Worten gerecht zu werden, ist eine Herausforderung, denn er vereinte vor allem zwei Eigenschaften in sich: Authentizität und Handlungscharakter. Damit meine ich seinen unverfälschten Drang, seinen Emotionen nicht nur Worte, sondern auch Taten folgen zu lassen.

Dies beginnt mit seiner Liebe zur Antike, die ihn zum Ablegen des 1. und 2. Staatsexamens in Latein und Altgriechisch 1982 und 1985 in Bonn und seinem Geburtsort Münster/Westfalen führten, und endet mit seinem steten Kampfgeist zur unermüdlichen Progression der Didaktik. Schnell war klar, dass sein ausgeprägter Handlungscharakter nicht bloß mit einem unmittelbaren und steten Unterrichten an verschiedenen Dresdner Gymnasien einhergehen würde, was er erst nach der Promotion zu Valerius Flaccus‘ Argonautica 1989 und seinen Lehraufträgen in Eichstätt 1993 in Angriff nahm. So vielfältig wie sein Geist war auch seine Karriere:

Sein Engagement brachte ihn 1996 an das Studienseminar Dresden, bevor er 1998 als Fachberater in der Schulaufsicht und Fachreferent im Sächsischen Staatsministerium für Kultus tätig wurde. 

Besonders gerne und einflussreich wirkte er vor allem an der TU Dresden als Lehrbeauftragter der Klassischen Philologie ab 2006 und an der Universität Leipzig, wo er seit 2007 für die Fachdidatik der Alten Sprachen verantwortlich zeichnete. 2025 ließ er sich in Leipzig in den Ruhestand verabschieden, wo er beteuerte: „i.R.“ bedeute bei ihm „in Reichweite“. Sein authentischer Handlungscharakter, der sich bis zu seinem Lebensende verwirklichte, zeigt sich auch hier: Auf ihn war Verlass; Telefonate waren pragmatisch, lösungsorientiert und wertschätzend und mündeten stets in ein kleine Terz umfassendes, sonores und lächelndes „Dan-ke“. Dies ist jedoch nur ein geringer Anteil dessen, was ich an unserer Freundschaft und Kollegialität vermissen werde.

Die Antike wollte er zum Leben erwecken, denn seinen stark kulturwissenschaftlich geprägten Unterricht verlegte er über rund vier Jahrzehnte an die antiken Stätten in Italien, Südfrankreich, Griechenland, Türkei, Nordafrika und Nahost, wobei ihm seine Erfahrungen als Reiseleiter für Studiosus zugute kamen. Seine Anekdoten, die er stets lebensnah, lebensfroh und lebenslustig erzählte, klingen bis heute nach.

Genauso gern wie Matthias Korn unterrichtete, publizierte er. Nicht selten veröffentlichte er vor allem für seine Studierenden Materialreihen oder kleinere Schriftstücke auf unkonventionelle und unkomplizierte Art, die sein reichhaltiges Schaffen für namhafte Zeitschriften und Schulbuchverlage vervollständigten. Besonders intensiv setzte er sich im vergangenen Jahrzehnt mit den Implikationen der Digitalisierung für den altsprachlichen Unterricht, der Überarbeitung von Kompetenzbereichen, Begabungsförderung,  Wortschatzarbeit und der Textkompetenz auseinander, wobei er Erschließungs- und Verständnismethoden in den Blick nahm.[1] Zu seinen letzten Meilensteinen zählen an dieser Stelle sicherlich die von ihm 2018 und 2022 (mit-)herausgegebene Didaktik und Methodik des altsprachlichen Unterricht,[2] die zweisprachige Online-Zeitschrift Ars Docendi oder das für nicht-gymnasiale Schulformen angelegte Workbook VIVA – Latein für alle (2023). Dass er allein hierin seinen Sinn für bodenständige Offenheit, Chancengerechtigkeit und differenzierte Förderung jeglicher Potenziale gleich mehrfach unter Beweis gestellt hat, möchte ich kurz anreißen:

Oft reiste er – nicht selten im Flixbus – zu bundesweiten und internationalen Kongressen, um sich professionell und leidenschaftlich über die Entwicklung der Didaktik, vor allem in (Nord-)Italien, Österreich und Deutschland auszutauschen. In der Bundesrepublik engagierte er sich beispielsweise redlich an den Bundeskongressen des DAV oder den von ihm mitorganisierten Perspektiven für den Lateinunterricht. Dass er seine Vita in Programmheften für gewöhnlich in knappen drei Zeilen abdrucken ließ, spiegelt seine unprätentiöse Art wider. War er von einer Sache überzeugt, hörte man etwa „Ja, das find‘ ich gut“ und sah seine gewölbte Hand mit aufrechtem Zeigefinger im doppelten Takte seines Herzschlags wippen. War dies nicht der Fall, ließ er eher ein auftaktiges „Das ist doch scheiße!“ verlauten.

Fokussiert wollte er bei seinen Bestrebungen immer allem und allen eine Chance geben – gleichgültig auf welcher Niveaustufe. So zeigte er sich auch neuen Methoden und Ansätzen stets offen, was ich bereits zu Studienzeiten erleben durfte.

 

Lieber Matthias, deine authentische Leidenschaft und dein unverfälschter, niemals beschönigender, nüchterner, aber immer differenzierter Blick auf Statistiken, Zustände und Lebenssituationen trugen sicherlich dazu bei, dass ich schon zu Beginn meines Masterstudiums – kurz nach unserem Kennenlernen auf dem Berliner Bundeskongress des DAV 2016 – als Gastdozentin in deinen Lehrveranstaltungen referieren durfte. An dieser Stelle sei mir die Parenthese erlaubt, dass ich das Glück hatte, nicht nur in deiner überquellenden Bibliothek samt Hamster zu nächtigen, sondern auch deine Töchter kennenzulernen, über deren Entwicklung du mich immer stolz und liebevoll auf dem Laufenden hieltest.

Meine Vorträge auf Latein zu meinem Spezialgebiet – methodisch eingesetztes Latine loqui – fanden zu einem Zeitpunkt statt, an dem ich, damals noch floscula, selbst weniger loquens als vielmehr balbutiens nur einige Sätze hervorbringen konnte. Eine Chance gabst du damit nicht nur mir und anderen Studierenden, die u.a. wie ich bereits ihren ersten Artikel in deiner Fach-Methodik veröffentlichen durften, sondern auch dem gesprochenen Latein selbst und ihren daraus abgeleiteten Folgen für alternative Texterschließung und Überprüfung des Leseverstehens. Unvergessen bleibt mir dabei auch deine authentische Leidenschaft für die prosaischen Paraphrasen poetischer Originaltexte aus der im Absolutismus entstandenen Reihe ad usum Delphini, die du auf einem der von dir vielfach besuchten Kongresse vorstelltest.

Deine Ideen und Impulse, deine Offenheit und deine konstante Förderung von Potenzialen haben dich zu einem ganz besonderen Menschen gemacht, lieber Matthias, lieber hirsutus. Es ist nicht zuletzt dank deinem ganz frumentarischen Sinn für Ordnung ganz und gar unmöglich, einen vollständigen Überblick über deine vielfach und für immer präsente Persönlichkeit, die eines hirsutus würdig wäre, zu geben.

Danke, dass so viele von dir in förmlichem Rahmen oder lieber noch bei einem Bierchen lernen durften, dass du so viele um dein Wissen und deine Erfahrungen bereichert hast – ob als frumentum, hirsutus, lebhafter Diskussionspartner, liebender Vater, loyaler Freund oder lebensnaher Lehrer. Du hinterlässt zahlreiche Lücken, die die Nachwelt nur schwer schließen kann. 

 

Deine Blume                                                                                       Dr. Marie-Luise Reinhard

 

[1] Zusammen mit Peter Kuhlmann und Henning Horstmann veröffentlichte er Texte erschließen und verstehen. Didaktische Kriterien und Praxisbeispiele für den Lateinunterricht. Göttingen (V & R), 2022.

[2] Latein Methodik. Handbuch für die Sekundarstufe I + II. Berlin (Cornelsen), 2018.

Er veröffentlichte auch zusammen mit Leandro Richter Grundlagen und -begriffe der Fachdidaktik und Methodik des altsprachlichen Unterrichts. Wissenschaftliche Scripten. Auerbach (Verlag Wissenschaftliche Scripten), 2022.

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Marie-Luise Reinhard © 2021 Alle Rechte vorbehalten.

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